Harvey Weinstein: Dritter Prozess beginnt
Der dritte Prozess gegen Harvey Weinstein ist in New York gestartet. Schauspielerin Jessica Mann tritt erneut als Zeugin auf.
Am Dienstag (21. April) haben in Manhattan die Eröffnungsplädoyers im dritten Prozess wegen Sexualdelikten gegen Harvey Weinstein, 74, begonnen. Das berichten unter anderem die US-Zeitung „New York Post“ und der britische Sender „Sky News“. Die Geschworenen – sieben Männer und fünf Frauen – waren bereits am vergangenen Freitag am Manhattan Supreme Court ausgewählt worden. Sie sollen darüber entscheiden, ob der frühere Miramax-Mitgründer die Schauspielerin Jessica Mann (geb. 1985) vor mehr als zehn Jahren in einem New Yorker Hotelzimmer vergewaltigt hat.
Anklage spricht von Macht und Kontrolle
Staatsanwältin Candace White warf Weinstein laut „Sky News“ in ihrem Eröffnungsplädoyer vor, seinen Einfluss in Hollywood gezielt ausgenutzt zu haben, um junge Frauen zu missbrauchen. „In diesem Fall wird es auf Macht, Kontrolle und Manipulation ankommen“, sagte White vor den Geschworenen. Weinstein habe sich an „zerbrechlichen und behüteten“ jungen Frauen vergangen, die von einer Karriere in Hollywood träumten. An Mann habe er sich vergriffen, während diese sich gewehrt und mehrfach „Nein“ gesagt habe.
Weinstein bestreitet die Vorwürfe. Er hat auf nicht schuldig plädiert und weist sowohl sexuelle Übergriffe als auch nicht einvernehmlichen Sex zurück. Verteidiger Jacob Kaplan hielt Mann in seinem Eröffnungsplädoyer entgegen, sie habe die Vergewaltigungsgeschichte erst erfunden, nachdem ihre Beziehung zu Weinstein ihre Schauspielkarriere nicht vorangebracht habe. E-Mails würden belegen, dass die Liaison einvernehmlich gewesen sei.
Vorgeschichte: Aufgehobenes Urteil und geplatzter Prozess
Anders als in den vorangegangenen Verfahren in Manhattan tritt Mann diesmal als einzige mutmaßliche Geschädigte in den Zeugenstand. Nach eigenen Angaben hatte sie Weinstein Ende 2012 kennengelernt, nachdem sie nach Los Angeles gezogen war, um dort ihre Schauspielkarriere zu starten. Weinstein ist in diesem Verfahren wegen „Vergewaltigung dritten Grades“ („Rape in the Third Degree“) angeklagt. Im Gegensatz zu „ersten Grades“, was mit schwerer Gewalt oder Verletzung verbunden ist, geht es bei „dritten Grades“ eher um die fehlende Einwilligung als um brutale physische Gewalt.
Bereits 2020 war Weinstein für die Tat an Mann verurteilt und zu 23 Jahren Haft verurteilt worden. Das oberste Gericht des Bundesstaats New York hob dieses Urteil später auf, weil Weinstein nach Auffassung der Richter kein faires Verfahren bekommen hatte. Im Juni 2025 sprachen die Geschworenen ihn im Fall der früheren TV-Produktionsassistentin Miriam „Mimi“ Haley eines sexuellen Übergriffs ersten Grades schuldig, vom Vorwurf eines Übergriffs auf das frühere Model Kaja Sokola dagegen frei. Im Anklagepunkt der Vergewaltigung Manns konnten sie sich nicht einigen – der Richter erklärte den Prozess in diesem Punkt daraufhin für geplatzt.
Staatsanwältin: „Er tat, was er wollte“
Staatsanwältin White zeichnete das Bild eines Mannes, der keine Widerworte duldete. „Er tat, was er wollte, wann er es wollte und mit wem er es wollte“, wird sie zitiert. Hinter verschlossenen Türen habe Macht für Weinstein bedeutet, sich bei seinem mutmaßlichen Opfer zu nehmen, was er wollte. Weinstein habe Mann zudem „zum Schweigen gebracht“, indem er ihr signalisiert habe, dass es beruflich zum Scheitern führen könne, wenn sie sich ihm widersetze. Der Angeklagte habe während dieser Passage leicht den Kopf geschüttelt.
Die Verteidigung hob demgegenüber hervor, dass Mann auch nach der mutmaßlichen Tat weiter Kontakt zu Weinstein gehalten, Einladungen angenommen, ihn um berufliche Unterstützung gebeten und ihm freundliche Nachrichten geschickt habe.
Das Verfahren vor dem vorsitzenden Richter Curtis Farber am Manhattan Supreme Court ist auf eine Dauer von rund einem Monat angesetzt. Zusätzlich verbüßt Weinstein eine 16-jährige Haftstrafe nach einer Verurteilung wegen Vergewaltigung in Kalifornien aus dem Jahr 2022, gegen die er Berufung eingelegt hat. Sein Anwaltsteam erklärte, Weinsteins Gesundheitszustand habe sich während seiner Haft im New Yorker Gefängnis Rikers Island rapide verschlechtert.
Neues Verteidigerteam mit prominentem Lebenslauf
Für den aktuellen Prozess hat Weinstein laut dem „New York Post“-Bericht ein bekanntes Verteidigerteam verpflichtet: Marc Agnifilo, Teny Geragos und Jacob Kaplan – die zuvor unter anderem Luigi Mangione, 27, und Sean „Diddy“ Combs, 56, vertreten haben – sollen eine neue Verteidigungslinie vorstellen.
Quelle: Gala
