Armut in Österreich: Immer mehr Menschen sind betroffen
Die Armut in Österreich nimmt zu. Laut aktuellen Zahlen der Statistik Austria waren im Jahr 2025 fast 19 Prozent der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Das entspricht 1,7 Millionen Menschen, ein Anstieg um 170.000 Personen im Vergleich zum Vorjahr. Besonders alarmierend ist die Situation der sogenannten „Working Poor“, also Menschen, die trotz Erwerbstätigkeit armutsgefährdet sind.

Hintergrund: Was bedeutet Armut in Österreich?
Armut ist ein vielschichtiges Problem, das verschiedene Formen annehmen kann. In Österreich wird Armutsgefährdung definiert als ein Einkommen von weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens. Im Jahr 2025 lag diese Armutsgefährdungsschwelle bei 1.806 Euro netto pro Monat. Wer weniger zur Verfügung hat, gilt als armutsgefährdet. Allerdings berücksichtigt diese Definition nicht nur das Einkommen, sondern auch andere Faktoren wie Wohnsituation, Bildung und soziale Teilhabe. Soziale Ausgrenzung kann auch bedeuten, dass Menschen nicht in der Lage sind, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, beispielsweise weil sie sich kulturelle Veranstaltungen oder den Urlaub nicht leisten können. (Lesen Sie auch: Gregor Kobel: BVB-Torwart äußert Wunsch zu Sancho-Rückkehr)
Aktuelle Entwicklung: Anstieg der Armutsgefährdung
Die Zahlen der Statistik Austria zeigen einen deutlichen Anstieg der Armutsgefährdung in Österreich. Im Jahr 2025 waren 16 Prozent der Bevölkerung von Einkommensarmut betroffen, das sind 1.448.000 Menschen. Im Jahr davor lag dieser Wert noch bei 14,3 Prozent. Besonders betroffen sind laut Statistik Austria Alleinerziehende, kinderreiche Familien, Menschen mit geringer Bildung und Migranten. Aber auch die einer Arbeit nachgehen, sind von Armut betroffen. Die steigenden Lebenshaltungskosten, insbesondere die hohen Mieten und Energiepreise, tragen dazu bei, dass trotz Erwerbstätigkeit nicht genug zum Leben haben.
„Working Poor“: Arm trotz Arbeit
Ein besonders besorgniserregender Trend ist die Zunahme der „Working Poor“. Laut ORF.at waren im Jahr 2025 rund neun Prozent der Erwerbstätigen im Alter von 18 bis 64 Jahren betroffen, das entspricht 361.000 Menschen. Diese Menschen gehen einer Arbeit nach, oft sogar in Vollzeit, aber ihr Einkommen reicht trotzdem nicht aus, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Gründe dafür sind niedrige Löhne, Teilzeitbeschäftigung und prekäre Arbeitsverhältnisse. Sozialpolitikexperte Martin Schenk von der Diakonie betont gegenüber ORF.at, dass die „Working Poor“ oft übersehen werden, weil Armut in der öffentlichen Wahrnehmung stark mit Arbeitslosigkeit verbunden sei. Die Dokumentation „Zum Leben genug? – Arm in Österreich“ auf Joyn.at beleuchtet die Situation von Menschen, die trotz Arbeit in Armut leben und zeigt die Mechanismen auf, die soziale Ungleichheit verstärken. (Lesen Sie auch: Steuerreform geplant: Entlastung für kleine Einkommen)
Reaktionen und Stimmen
Die steigende Armut in Österreich ist ein Thema, das in Politik und Gesellschaft diskutiert wird. Sozial- und Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) verteidigte gegenüber dem ORF die beschlossenen Budgetmaßnahmen, die Kritik hervorgerufen hatten. Andere Experten fordern umfassendere Maßnahmen zur Armutsbekämpfung, wie beispielsweise eine Erhöhung des Mindestlohns, den Ausbau der sozialen Unterstützungssysteme und eine gezielte Förderung von Menschen mit geringer Bildung. Es gibt viele Organisationen die sich in Österreich für Armutsbetroffene einsetzen.
Armut: Was bedeutet das für die Zukunft?
Die steigende Armut in Österreich hat weitreichende Folgen für die Gesellschaft. Sie gefährdet den sozialen Zusammenhalt, führt zu gesundheitlichen Problemen und schränkt die Bildungschancen von Kindern ein. Wenn von Armut betroffen sind, kann dies auch negative Auswirkungen auf die Wirtschaft haben, da die Kaufkraft sinkt und die soziale Unruhe zunimmt. Es ist daher wichtig, dass Politik und Gesellschaft gemeinsam Maßnahmen ergreifen, um die Armut zu bekämpfen und die soziale Gerechtigkeit zu fördern. Es geht nicht nur darum, die Symptome der Armut zu lindern, sondern auch die Ursachen zu bekämpfen, wie beispielsweise niedrige Löhne, mangelnde Bildungschancen und Diskriminierung. (Lesen Sie auch: Ausserbraz: Tödlicher Wanderunfall in Außerbraz: Deutscher)

Häufig gestellte Fragen zu armut
Häufig gestellte Fragen zu armut
Wer gilt in Österreich als armutsgefährdet?
Als armutsgefährdet gelten Personen, deren Haushaltseinkommen unter 60 Prozent des österreichischen Medianeinkommens liegt. Im Jahr 2025 lag diese Grenze bei 1.806 Euro netto pro Monat. Zusätzlich werden auch Faktoren wie Wohnsituation und soziale Teilhabe berücksichtigt.
Wie viele Menschen sind in Österreich von Armut betroffen?
Laut Statistik Austria waren im Jahr 2025 rund 1,7 Millionen Menschen in Österreich von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Das entspricht 18,8 Prozent der Bevölkerung und einem Anstieg von 170.000 Personen im Vergleich zum Vorjahr. (Lesen Sie auch: David Affengruber: Elches Siegesserie und Rangnicks Reaktion)
Was bedeutet „Working Poor“?
„Working Poor“ bezeichnet Menschen, die trotz Erwerbstätigkeit armutsgefährdet sind. In Österreich waren 2025 rund 361.000 Menschen betroffen, die mehr als sechs Monate im Jahr gearbeitet haben, aber dennoch ein Nettoeinkommen unter der Armutsgrenze hatten.
Welche Faktoren tragen zur Armut in Österreich bei?
Niedrige Löhne, insbesondere in bestimmten Branchen, Teilzeitbeschäftigung, prekäre Arbeitsverhältnisse, steigende Lebenshaltungskosten (Mieten, Energie), geringe Bildung, Alleinerziehung und Migration sind Faktoren, die das Armutsrisiko erhöhen.
Welche Maßnahmen können gegen Armut ergriffen werden?
Erhöhung des Mindestlohns, Ausbau der sozialen Unterstützungssysteme, gezielte Förderung von Menschen mit geringer Bildung, Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, Bekämpfung von Diskriminierung und Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind wichtige Schritte zur Armutsbekämpfung.

