Mick Jagger: Mick Jaggers Loire-Schloss und seine geheimen Leidenschaften
Sein idyllisches Schloss an der Loire bedeutet Mick Jagger alles. Dort lebt er seine geheimen Leidenschaften aus.
Eine große Liebe gibt’s neben der Musik in seinem Leben. Nein, keine Frau; die wechselte Mick Jagger, 82, bekanntlich des Öfteren. Ewige Treue hält er einem anderen, ganz besonderen Herzens-Kleinod: seinem französischen Schlösschen. 1980 besichtigte der Rolling-Stones-Sänger das halb verfallene Château de Fourchette im Loire-Tal erstmals von innen – und schnappte sofort zu. In dem Gebäude sah er keine Kostenfalle wie alle anderen Interessenten, sondern etwas unbezahlbar Schönes: den Ort seiner unbeschwerten Kindheit.
Mick Jagger: Erinnerungen an die Kindheit
Jeden Sommer campten die Jaggers auf einem nur zehn Minuten entfernten Zeltplatz, und der kleine Mick streunte mit seinem vier Jahre jüngeren Bruder Chris im nahen Dorf Pocé-sur-Cisse, am Fluss und natürlich auch auf dem verwunschenen Schlossgelände umher. Nette Anekdote: Französische Küche kosteten die Engländer prinzipiell nicht. „Wir brachten unsere eigenen Baked Beans mit, weil wir dem fremdländischen Essen nicht trauten“, erzählte der Stone, heute ein großer Gourmet, einmal in einem Interview.
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Mit diesem Kauf starteteMick Jagger das größte Bauprojekt seines Lebens. Und wurde schlagartig zum beliebtesten Bürger von Pocé-sur-Cisse. Zum einen, weil man mit dem Superstar (der an seinem Rückzugsort nichts mehr hasst, als wenn er als solcher behandelt wird) ganz normal plaudern kann. Und, weil er seinem Dorf einen veritablen Aufschwung verschaffte. So wälzte er mit einem hiesigen Polsterer alte Geschichtsbücher, man fahndete gemeinsam nach passenden Stofftapeten und Sofabezügen. Jagger, erzählte der Handwerker einmal der französischen Zeitung „Le Monde“, studiere seine Kostenvoranschläge so genau wie jeder andere Kunde. Und bezahle ebenso viel. Micks Stil: eklektisch mit einer Prise Bohème. So gibt’s bei ihm Schlafzimmer im Stile des Sonnenkönigs, in denen sich antike Himmelbetten mit Decken und Überwürfen aus dem von den Rolling Stones häufig frequentierten Marrakesch paaren.
Ein guter Geist
In die Restaurierung des Schlösschens steckte Mick in den Anfangsjahren mehrere Millionen Euro: Abstützung des Mauerwerks, neuer Pool, Wiederaufbau einer japanischen Pagode und Anlegen eines Teichs mit Wasserfall. Entstanden ist so ein sehr persönliches, einzigartiges Paradies, das niemand, der je dort war, gerne wieder verlassen mag.
So ist Micks Tochter Elizabeth, 41, davon überzeugt, im Château würde ein guter Geist spuken und man spüre dessen feine Energie. Und Jerry Hall, 69, zu Zeiten des Erwerbs die Partnerin des Stones-Frontmanns, wollte es sich sogar als Teil der Trennungsmasse sichern. Rausgerückt hat Mick seine „Oase des Friedens“, wie er selbst das Refugium nennt, natürlich nicht.
Bei ungewöhnlichem Treibenkann man den Superstar dort beobachten. Sir Mick arbeitet gerne im Nutzgarten des Schlosses, hackt und erntet selbst. Er repariert kaputte Türen oder schneidet die Rosen zurück, treibt seine Schafe eigenhändig mit einem Hirtenstab zur Tränke und zuckelt mit einem Uralt-Peugeot zum nächsten Baumarkt. Gesportelt wird auch: Frühmorgens geht’s in die nahen Reben zum Joggen. Dabei grüßt er alle, die dort arbeiten, freundlich. Den Wein aus seiner Gegend serviert Mick natürlich auch bei sich im Schloss.
Ein Schloss mit prominenter Geschichte
Ein Leben wie Gott in Frankreich, finden seine Freunde. Und kommen gerne, wenn Sir Mick Hof hält: Legendäre Partys schmeißt er auf Fourchette, allem voran seinen Geburtstag im Juli, der jedes Jahr mit einem Feuerwerk zelebriert wird. Tina Turner besuchte ihn schon, und Paul McCartney. Plus der Rest der Rolling Stones, die den entspannten Lifestyle – ein paar Joints unter den schattigen Kastanien im Garten, dazu richtig guter Wein statt englischer Plörre – zu schätzen wissen. Ein geradezu idealer Ort, um ein Album im extra eingebauten Tonstudio zu produzieren. Was die Band auch tat: Das 2005 erschienene „A Bigger Bang“ entstand auf Fourchette.
Mick Jagger ist übrigens nicht der erste prominente Bewohner. Ursprünglich gehörte das im 18. Jahrhundert erbaute Schloss Étienne-François Herzog von Choiseul, einem wichtigen Minister von Louis XV. und Günstling der königlichen Mätresse Madame Pompadour. Zu Fall brachte den Herzog Madame Dubarry, Pompadours Nachfolgerin im Schlafgemach des Regenten, die Choiseul wegen seiner Vorgeschichte nicht leiden konnte.
Stress mit verärgerten Frauen? Davon könnte auch Mick Jagger ein Lied singen. Wie passend, dass er hier gelandet ist.
Quelle: Gala
