Invasive Arten: Globale Seen Bedroht – jede zweite Art Problematisch
Invasive Arten in Süßgewässern stellen ein wachsendes globales Problem dar. Eine aktuelle Studie zeigt, dass fast die Hälfte der großen Süßwassertierarten, die außerhalb ihres natürlichen Lebensraums vorkommen, ökologische und wirtschaftliche Schäden verursachen. Diese Entwicklung betrifft zahlreiche Länder und gefährdet die Biodiversität sowie die Lebensgrundlagen lokaler Gemeinschaften.

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- Die globale Ausbreitung invasiver Arten in Süßgewässern
- Ursachen der Ausbreitung: Warum werden große Tiere umgesiedelt?
- Wie wirken sich invasive Arten auf Ökosysteme und Menschen aus?
- Welche Maßnahmen können gegen die Ausbreitung unternommen werden?
- Was bedeutet die Zunahme invasiver Arten für die Zukunft?
- Häufig gestellte Fragen
Die wichtigsten Fakten
- Weltweit wurden 93 invasive Süßwasser-Megafauna-Arten identifiziert (Tiere ab 30 kg).
- 43 Prozent dieser Arten verursachen Schäden an Umwelt und Wirtschaft.
- Die USA führen die Liste der Länder mit den meisten eingeführten Arten an (52).
- Bewusste Einbringung großer Arten zur wirtschaftlichen Nutzung ist oft kontraproduktiv.
Die globale Ausbreitung invasiver Arten in Süßgewässern
Die Studie, veröffentlicht im Fachjournal „One Earth“, beleuchtet erstmals das Ausmaß der Problematik invasiver Süßwassertiere, die ein Gewicht von 30 Kilogramm überschreiten. Das Team um Fengzhi He vom Berliner Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) identifizierte 93 solcher Arten, die in 142 Ländern und Regionen außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets vorkommen. Dies entspricht fast der Hälfte aller existierenden Süßwasser-Megafauna-Arten.
Die geografische Verteilung der invasiven Arten ist dabei sehr unterschiedlich. Die USA weisen mit 52 Arten die höchste Anzahl auf, gefolgt von China (28), Kanada (23), Russland (19) und Belgien (18). Deutschland liegt mit 17 invasiven Arten ebenfalls im oberen Bereich dieser Statistik. Diese Zahlen verdeutlichen, dass das Problem nicht auf einzelne Regionen beschränkt ist, sondern eine globale Herausforderung darstellt.
Die Studie untersuchte 216 Süßwasser-Megafauna-Arten weltweit. 93 davon wurden als invasiv identifiziert, was 43% entspricht.
Ursachen der Ausbreitung: Warum werden große Tiere umgesiedelt?
Anders als kleinere Tiere, die oft unbeabsichtigt durch Schiffe oder Vögel in neue Lebensräume gelangen, werden große Süßwassertiere meist bewusst eingeführt. Der Hauptgrund dafür sind vermeintliche wirtschaftliche Vorteile, wie die Förderung der Fischerei oder der Tourismus. Allerdings zeigt die Studie, dass diese Strategie oft nach hinten losgeht. (Lesen Sie auch: Auszeichnung: Muss nicht perfekt sein – Streamerin…)
Von den 59 gebietsfremden großen Süßwassertieren, bei denen ein wirtschaftlicher Nutzen dokumentiert ist, verursachen 26 Arten auch negative Auswirkungen. Dies betrifft insbesondere große Fischarten wie Karpfen, Lachsartige und Welse. Die Einbringung dieser Arten kann zu einem Ungleichgewicht im Ökosystem führen und die heimische Flora und Fauna gefährden.
Wie wirken sich invasive Arten auf Ökosysteme und Menschen aus?
Die Auswirkungen invasiver Arten sind vielfältig und komplex. Sie reichen von der Verdrängung heimischer Arten über die Zerstörung von Lebensräumen bis hin zu wirtschaftlichen Schäden und gesundheitlichen Risiken für den Menschen. Ein besonders drastisches Beispiel ist die Einführung des Nilbarschs (Lates niloticus) in den Viktoriasee in den 1960er Jahren.
Ursprünglich sollte der Nilbarsch die Fischerei im Viktoriasee ankurbeln. Stattdessen führte die Ausbreitung des gefräßigen Räubers zum Rückgang vieler einheimischer Fischarten. Dies hatte verheerende Folgen für die lokale Bevölkerung, da viele Fischer ihre Lebensgrundlage verloren. Zudem stieg die chronische Unterernährung bei Kindern und Müttern in den umliegenden Gemeinden, wie aus der Stern-Meldung hervorgeht, auf der dieser Artikel basiert.
Auch in Europa gibt es Beispiele für negative Auswirkungen. In Deutschland und Frankreich wurden Verletzungen durch Stechrochen dokumentiert, die sich in Flüssen und Seen ausgebreitet haben. Diese Vorfälle zeigen, dass invasive Arten nicht nur ökologische, sondern auch direkte gesundheitliche Risiken bergen können.
Welche Maßnahmen können gegen die Ausbreitung unternommen werden?
Die Bekämpfung invasiver Arten ist eine komplexe und langfristige Aufgabe, die verschiedene Strategien erfordert. Präventive Maßnahmen sind dabei von entscheidender Bedeutung. Dazu gehört die Verhinderung der weiteren Ausbreitung durch strengere Kontrollen und Auflagen bei der Ein- und Ausfuhr von Tieren. Auch die Aufklärung der Bevölkerung über die Risiken invasiver Arten spielt eine wichtige Rolle. (Lesen Sie auch: Antifeminismus Deutschland: Wächst die Gefahr für Frauen?)
Wenn sich eine invasive Art bereits etabliert hat, sind oft aufwendige und kostspielige Bekämpfungsmaßnahmen erforderlich. Diese können von der gezielten Entnahme der Tiere bis hin zur Zerstörung von Lebensräumen reichen. Es ist wichtig, dass diese Maßnahmen wissenschaftlich fundiert und auf die jeweilige Art und Situation abgestimmt sind. Laut dem Bundesamt für Naturschutz ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis unerlässlich, um effektive Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.
Ein Beispiel für erfolgreiche Bekämpfungsmaßnahmen ist die Reduktion der Bisamratte in einigen Regionen Deutschlands. Durch gezielte Jagd und Fallenstellung konnte die Population dieser invasiven Art deutlich reduziert werden. Allerdings ist die Bisamratte weiterhin in vielen Gebieten verbreitet, was zeigt, dass die Bekämpfung invasiver Arten oft ein langwieriger Prozess ist.
Die Europäische Union hat eine Verordnung über invasive Arten erlassen, die die Mitgliedstaaten verpflichtet, Maßnahmen zur Prävention, Früherkennung und Bekämpfung invasiver Arten zu ergreifen. Diese Verordnung soll dazu beitragen, die negativen Auswirkungen invasiver Arten auf die Biodiversität und die Wirtschaft zu verringern.
Was bedeutet die Zunahme invasiver Arten für die Zukunft?
Die Zunahme invasiver Arten stellt eine erhebliche Bedrohung für die Biodiversität und die Ökosysteme weltweit dar. Die Studie zeigt, dass die Problematik bei großen Süßwassertieren besonders ausgeprägt ist und oft zu unvorhergesehenen negativen Folgen führt. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass die Forschung in diesem Bereich weiter vorangetrieben wird, um die Auswirkungen invasiver Arten besser zu verstehen und effektive Bekämpfungsstrategien zu entwickeln.

Die internationale Zusammenarbeit ist ebenfalls unerlässlich, um die Ausbreitung invasiver Arten zu verhindern und die Schäden zu minimieren. Dies erfordert eine enge Abstimmung zwischen den Ländern bei der Gesetzgebung und der Umsetzung von Maßnahmen. Nur so kann es gelingen, die negativen Auswirkungen invasiver Arten auf die Umwelt und die Wirtschaft zu begrenzen und die Biodiversität für zukünftige Generationen zu erhalten. Laut einer Studie des Umweltbundesamtes sind die Kosten, die durch invasive Arten verursacht werden, enorm und steigen kontinuierlich an. Daher ist es wichtig, frühzeitig zu handeln und in Präventionsmaßnahmen zu investieren. (Lesen Sie auch: DWD Saharastaub Trübt Sicht: Was Bedeutet das…)
Häufig gestellte Fragen
Was sind invasive Arten genau?
Invasive Arten sind Tiere, Pflanzen oder andere Organismen, die außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets vorkommen und sich dort etablieren und ausbreiten. Sie können heimische Arten verdrängen, Lebensräume zerstören und wirtschaftliche Schäden verursachen.
Wie gelangen invasive Arten in neue Gebiete?
Invasive Arten können auf verschiedene Weise in neue Gebiete gelangen. Einige werden absichtlich eingeführt, beispielsweise zur Förderung der Fischerei oder des Tourismus. Andere gelangen unbeabsichtigt durch Schiffe, Flugzeuge oder andere Transportmittel in neue Lebensräume.
Welche Rolle spielt der Mensch bei der Ausbreitung?
Der Mensch spielt eine entscheidende Rolle bei der Ausbreitung invasiver Arten. Durch den globalen Handel und den zunehmenden Reiseverkehr werden immer mehr Arten in neue Gebiete verschleppt. Auch die Zerstörung von Lebensräumen und der Klimawandel begünstigen die Ausbreitung invasiver Arten. (Lesen Sie auch: DWD Saharastaub Trübt den Himmel: Gelber Staub…)
Welche Kosten verursachen invasive Arten?
Die Kosten, die durch invasive Arten verursacht werden, sind enorm. Sie umfassen Schäden an der Land- und Forstwirtschaft, der Fischerei, der Infrastruktur und der menschlichen Gesundheit. Zudem entstehen Kosten für die Bekämpfung und die Wiederherstellung von Ökosystemen.
Was kann jeder Einzelne gegen die Ausbreitung invasiver Arten tun?
Jeder Einzelne kann dazu beitragen, die Ausbreitung invasiver Arten zu verhindern, indem er sich über die Risiken informiert, keine exotischen Tiere oder Pflanzen in der Natur freisetzt und beim Kauf von Produkten auf regionale und nachhaltige Alternativen achtet.
Die Ergebnisse der Studie des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) unterstreichen die Notwendigkeit, das Problem der invasiven Arten in Süßgewässern ernst zu nehmen und umfassende Maßnahmen zu ergreifen. Nur so kann es gelingen, die Biodiversität zu schützen und die Lebensgrundlagen der Menschen, die von diesen Ökosystemen abhängig sind, zu sichern.





