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Guido Westerwelle: Vor 10 Jahren verlor Michael Monz seine Lebensliebe Guido Westerwelle

Guido Westerwelle war einer der markantesten deutschen Politiker seiner Zeit. Vor zehn Jahren starb er an den Folgen seiner Leukämieerkrankung.

Guido Westerwelle, †54, war einer der markantesten Politiker seiner Zeit. Ein „Treiber und Übertreiber“, fand einmal der „Deutschlandfunk“. Dass dieser so robuste Mann plötzlich um sein Leben kämpfen musste – und diesen Kampf verlor – bewegte viele Menschen. Der frühere FDP-Chef und deutsche Außenminister starb 2016 mit nur 54 Jahren an Leukämie. Am 18. März 2026 jährt sich sein Todestag bereits zum zehnten Mal.

Ein anderer Blick auf Guido Westerwelle

Die 90-minütige ARD-Dokumentation „Westerwelle“ zeigt den Politiker und den Menschen hinter der öffentlichen Fassade. Weggefährten, sein Biograf und vor allem sein Witwer Michael Mronz sprechen über Seiten Westerwelles, die der Öffentlichkeit weitgehend verborgen blieben. „Man hört aus dem Off einen Mann, der mit dem Bild, das er durch seine öffentlichen Auftritte geschaffen hat, nicht mehr viel gemein hat“, das sei „auf eine unverstellte Weise berührend“, urteilt die Agentur „Evangelischer Pressedienst“ (EPD).

Westerwelle habe mit forschen Sprüchen agiert, so „EPD“, und unerschrocken nahe an der Lächerlichkeit, etwa als er im Bundestagswahlkampf 2002 in ein Superman-Kostüm mit aufgepumpten Muskeln schlüpfte und in einem Kleinbus, genannt „Guidomobil“, durchs das Land tourte.

Vom „Jungspund“ zum Staatsmann

FDP-Vize Wolfgang Kubicki, 74, erinnert sich in der Doku schmunzelnd an seine erste Begegnung mit dem jungen Westerwelle: „Was für ein Naseweis! Was für ein aufgeblasener Wichtigtuer!“ Das war in den 1980er-Jahren, als Westerwelle der Partei mit den Jungen Liberalen eine neue Jugendorganisation vorsetzte. Der talentierte junge Mann aus Bad Honnef bei Bonn fiel FDP-Legende Hans-Dietrich Genscher, †89, auf und er förderte den jungen promovierten Rechtsanwalt.

Westerwelle machte rasch Karriere: 1983 Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen, 1988 Mitglied des FDP-Bundesvorstands, 1994 Generalsekretär, 2001 bis 2011 Bundesvorsitzender. Unter seiner Führung erzielte die FDP 2009 mit 14,56 Prozent ihr bestes Bundestagswahlergebnis. Die Partei wurde Teil der schwarz-gelben Koalition, Westerwelle Außenminister und Vizekanzler unter Angela Merkel, 71, – bis 2013, als die Partei an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte.

Popstar der Politik

Westerwelle hatte seine Popularität als „eine Art Popstar der Politik“ („Der Spiegel“) mit ungewöhnlichen Mitteln erkämpft. Er trat als erster Spitzenpolitiker im Jahr 2000 im „Big Brother“-Container auf und formulierte Wahlkampfsprüche wie: „Willst du fit sein auf die Schnelle, komm zu Guido Westerwelle!“ oder „Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt’s einen, der die Sache regelt – und das bin ich!“ Doch hinter dem „rhetorisch grandiosen Propagandisten der Freiheit“ („Süddeutsche Zeitung“) steckte ein sensibler, loyaler und kluger Mensch mit feinem politischem Instinkt, wie Weggefährten beschreiben. Kubicki, einst Skeptiker, wurde später enger Vertrauter und nannte ihn schließlich „das Beste, was wir hatten“.

Auch Kubicki spürte, dass dieser Mann kaum jemanden wirklich an sich ran ließ. „Er wirkte damals unnahbar, um nicht auf seine sexuelle Orientierung angesprochen zu werden.“ Guido Westerwelle war schwul. In einer Zeit, in der homosexuelle Männer noch diskriminiert wurden, war das kein leichter Weg. Als 18-Jähriger wurde er wegen seiner sexuellen Orientierung vom Wehrdienst ausgeschlossen: „1979 wurden gleichgeschlechtlich orientierte Männer ausgemustert. So war das damals“, erklärte er in einem „Spiegel“-Interview.

1997 nannte ihn das Nachschlagewerk „Out!“ als schwule Persönlichkeit des öffentlichen Lebens – er widersprach nicht. Seit 2003 lebte er mit dem sechs Jahre jüngeren Unternehmer und Sportmanager Michael Mronz zusammen, 2004 trat das Paar bei der Feier zum 50. Geburtstag der damaligen CDU-Chefin Angela Merkel erstmals öffentlich auf. Westerwelle und Mronz gingen am 17. September 2010 in Bonn eine eingetragene Lebenspartnerschaft ein. Auch deswegen musste der Mann, der bisweilen leidenschaftlich austeilen konnte, nun Diskriminierungen ertragen, die unter die Gürtellinie zielten.

Leukämie-Diagnose im Juni 2014

Im Juni 2014 erhielt Guido Westerwelle die Diagnose Leukämie. Geplant war eigentlich eine Meniskus-Operation – eine vorbereitende Blutuntersuchung brachte den Befund. Westerwelle kämpfte diszipliniert und ohne Selbstmitleid gegen die Krankheit. „Wie er dem Tod zwei Jahre lang die Stirn bot, machte ihn vom vermeintlichen Schnösel und Provokateur zu einem nahbaren Menschen“, schrieb die „SZ“.

Gemeinsam mit Journalist Dominik Wichmann veröffentlichte er im November 2015 das Buch „Zwischen zwei Leben“ – in der Hoffnung, nach seinem politischen Leben ein zweites führen zu dürfen. In der ARD-Doku hört man ihn sagen: „Krebs und die Hoffnung, dass man ihn überwindet, macht alle Menschen gleich.“ Sein Biograf berichtet rückblickend: „Ich habe noch nie einen so erschöpften Menschen gesehen.“ Westerwelle selbst sagte: „Jahrzehntelang war ich ein Starker, und plötzlich bin ich ein ganz Schwacher.“ Auf die Frage, was für ihn das größte Glück sei, antwortete er schlicht: „Erwiderte Liebe.“

Verwendete Quelle: deutschlandfunk.de, medien.epd.de, sueddeutsche.de

Quelle: Gala


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