Alexander Fehling: Alexander Fehling über Grenzen als Schauspieler
Alexander Fehling ist ein fester Name in der nationalen und internationalen Filmlandschaft. Im Interview mit GALA spricht er über das Älterwerden und die Schwere mancher Gefühle.
Vielseitige Charaktere, mal besonders charismatisch, mal böse, liegen beinahe in der Natur von Alexander Fehling, 45, – zumindest glaubt man das, wenn man sein Spiel betrachtet. In „Verbrannte Erde“ (Kinokoproduktion vom WDR, ab 10. Mai 2026 in der ARD Mediathek) spielt er wieder einen der Bösen, aber mit viel Tiefgang.
Über seine Arbeit, große Emotionen und Herausforderungen, die er erst im Alter kennengelernt hat, spricht er im Interview mit GALA.
Hier kommt Alexander Fehling an seine Grenzen
Welche Herausforderungen erleben Sie an Filmsets?
Alexander Fehling: Es gibt wirklich verschiedenste Facetten: Man dreht nachts irgendwo, es ist eiskalt, hat kaum Platz – oft an Orten, die für Filmteams eigentlich gar nicht gemacht sind. Das beschäftigt mich dann schon sehr, aber genau darin steckt auch eine besondere Spannung. Das ist fast schon ein Geschenk, weil Momente entstehen, die man nicht planen kann.
Die eigentliche Herausforderung ist dann die Ökonomie des Drehs: Man dreht ein paar Szenen am Tag und ich muss meinen eigenen Energiehaushalt mit dem Plan in Einklang bringen. Wenn die Kamera dann läuft, läuft sie und genau das macht es zugleich so spannend und ist auch eine Herausforderung! Es muss also immer viel balanciert werden in diesen Augenblicken.
Haben Sie am Set jemals Anweisungen erhalten, die Sie nachhaltig geprägt haben und durch die Sie sich selbst besser kennengelernt haben?
Man hört natürlich generell nie auf, sich selbst kennenzulernen, und manche Dinge verändern sich auch immer. Aber ich erinnere mich an einen Moment im Theater zusammen mit Klaus Maria Brandauer, wo er zu mir meinte: ‚Du musst nicht in jeder Szene alles von dir zeigen – nicht alles empfinden und zeigen von der Figur, sondern nach und nach.‘ Daran muss ich häufiger denken.
Was genießen Sie besonders am Theater im Vergleich zu einem Filmset?
Meist ist es wirklich die Zeit vor denVorstellungen – die Wochen, in denen man probt. Das ist einfach das Beste. Es fühlt sich an, als sei man in einer Art Parallelwelt. Man arbeitet in der Gruppe, und es kann einfach nichts Schlimmes passieren, weil noch niemand zuguckt. Es geht darum, auszuprobieren und auch eben Fehler zu machen.
Beim Film arbeitest du auch sehr viel allein – klar mit der Crew um dich, aber du hast in dem Moment auch viel weniger Zeit und musst praktisch direkt einsteigen.
Gibt es Dinge, die Sie in beiden Welten verbinden?
In beiden Welten entwickelt man sich als Schauspieler und lernt sich kennen – aber das passiert sogar, wenn man nicht spielt. Das passiert die ganze Zeit. Es geht dabei auch darum, wie wir mit uns selbst und mit dem Leben umgehen, in dem, was wir tun. Im besten Falle jedenfalls und das läuft die ganze Zeit mit. Es ist alles miteinander verwoben und deshalb kann ich das gar nicht auseinanderhalten.
„Da muss ich noch eine Balance finden“
Wie gehen Sie mit Rollen um, die Sie emotional stark beanspruchen?
Ich lerne diesbezüglich immer noch dazu. Es ist nicht so, dass ich nach einem Dreh noch in der Rolle bin, aber natürlich habe ich im besten Falle beim Dreh besondere Erlebnisse und das kann dann auch schon tief gehen, weil es körperlich, trotz des Spiels, natürlich ein reales Erlebnis für einen selbst ist. Nach einem Dreh ist da viel Energie, die weiß nicht wohin, weil ich dann plötzlich wieder anders funktionieren muss oder auch anders andere Sachen bewältigen muss.
Und dann spüre ich, wo ich auch älter werde, das Körperliche. Ich interessiere mich sehr für die körperliche Arbeit, denn das ist unser Zuhause und ich werde älter und erkenne, dass ich mich gut darum kümmern muss.
Wenn ich wochenlang auf Dreh bin, muss ich einen Ausgleich finden. Das ist ein neuer Gedanke für mich! Wenn du superjung bist, merkst du das nicht. Da muss ich noch eine Balance finden.
Verspüren Sie am Set von internationalen Produktionen einen besonderen Druck?
Wenn es bei einer kleinen deutschen Produktion losgeht, bin ich genauso aufgeregt wie bei einer internationalen. Das ist kein Unterschied für mich. Der Unterschied ist meist dann nur die andere Sprache, da es zum Beispiel auf Englisch oft mehr Arbeit bedeutet.
Ich habe aber auch viele Personen erlebt, die sehr berühmt oder erfolgreich waren und sich für wen auch immer gehalten haben, und dann gibt es einfach Menschen, die sind gut in dem, was sie tun. Das ist für mich das Entscheidende – mit den Guten ist es sowieso leicht zu arbeiten und man verbindet sich automatisch über die Arbeit. Da ist es egal, ob der Name bekannt ist oder nicht.
Quelle: Gala
