Mediensucht Jugendliche: Jonas‘ Geschichte als Weckruf
Mediensucht Jugendliche: Jonas‘ Geschichte ist ein Weckruf! Der 17-Jährige verbrachte während der Corona-Pandemie exzessiv Zeit am Computer, vernachlässigte soziale Kontakte und Körperhygiene. Nur eine Therapie am Klinikum Nürnberg konnte ihm helfen. Seit April 2023 gibt es dort eine spezielle Sprechstunde für junge Menschen mit riskantem Mediennutzungsverhalten.

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- Der Absturz in die digitale Welt: Jonas‘ Leidensweg
- Das Klinikum Nürnberg als Anlaufstelle für Betroffene
- Was bedeutet ein riskantes Mediennutzungsverhalten?
- Wie kommt es zur Mediensucht bei Jugendlichen?
- Wie können Eltern reagieren?
- Was tun, wenn die Sucht bereits besteht?
- Welche Rolle spielen soziale Medien bei Mediensucht Jugendlicher?
Die wichtigsten Fakten
- Jonas, 17, entwickelte während der Corona-Pandemie eine Mediensucht.
- Er vernachlässigte soziale Kontakte und Körperhygiene.
- Eine Therapie am Klinikum Nürnberg half ihm, die Sucht zu überwinden.
- Das Klinikum Nürnberg bietet seit April 2023 eine Sprechstunde für junge Mediensüchtige an.
- Vorwiegend Jungen im Alter von 14 bis 15 Jahren sind betroffen.
Der Absturz in die digitale Welt: Jonas‘ Leidensweg
Die Corona-Pandemie. Eine Zeit der Isolation, des Lockdowns, des Leerlaufs. Für viele Jugendliche bedeutete das: mehr Zeit vor dem Bildschirm. So auch für Jonas, damals 15 Jahre alt. „Die Leute hatten einfach Leerlauf – ich auch. Dann habe ich angefangen zu spielen“, erinnert er sich. Was als harmloser Zeitvertreib begann, entwickelte sich schnell zu einer alles beherrschenden Sucht.
Computerspiele wurden zu Jonas‘ Lebensinhalt. Stundenlang, bis spät in die Nacht, verbrachte er vor dem Bildschirm. Ein anderes Hobby? Fehlanzeige. Soziale Kontakte außerhalb der Online-Welt? Nicht vorhanden. „Ich hatte keine Freunde. Meine Freizeit hat am Computer stattgefunden“, gesteht er heute offen ein. Eine erschreckende Bilanz, die zeigt, wie schnell die virtuelle Welt zur einzigen Realität werden kann.
Das Klinikum Nürnberg als Anlaufstelle für Betroffene
Jonas‘ Geschichte ist kein Einzelfall. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat die Zahl der Jugendlichen mit riskantem Mediennutzungsverhalten deutlich zugenommen. Das Klinikum Nürnberg hat reagiert und bietet seit April 2023 eine eigene Sprechstunde für junge Mediensüchtige an. Ein wichtiger Schritt, um den Betroffenen frühzeitig zu helfen.
Psychologe Philipp Martzog, der am Klinikum Nürnberg tätig ist, sieht vor allem Jungen im Alter von 14 bis 15 Jahren als gefährdet an. Besonders anfällig seien Jugendliche mit ADHS, Depressionen, sozialen Ängsten oder solche, die unter Mobbing oder schulischen Misserfolgen leiden. An der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie wurden bereits etwa 80 junge Menschen mit einem riskanten Mediennutzungsverhalten behandelt, der Großteil ambulant. Wie Stern berichtet, war auch Jonas einer dieser Fälle. (Lesen Sie auch: Raststätten Preise: So Dreist Zocken Raststättenbetreiber)
Was bedeutet ein riskantes Mediennutzungsverhalten?
Doch wann spricht man überhaupt von einem riskanten Mediennutzungsverhalten? Die Fachleute definieren es als Kontrollverlust über die Medienzeit. Wenn das Smartphone, der Computer oder die Spielkonsole das Leben bestimmen und negative Folgen in Kauf genommen werden, ist Vorsicht geboten.
„Es werden Freunde vernachlässigt, die Schule und die Körperhygiene. Man putzt sich seltener die Zähne oder duscht weniger“, erklärt Martzog. Ein alarmierendes Zeichen, das oft von den Betroffenen selbst nicht erkannt wird. Die Eltern stehen dann vor der schwierigen Aufgabe, ihre Kinder zur Einsicht zu bewegen und ihnen professionelle Hilfe zu vermitteln.
Ein riskantes Mediennutzungsverhalten kann sich negativ auf die schulischen Leistungen, die soziale Entwicklung und die psychische Gesundheit von Jugendlichen auswirken.
Wie kommt es zur Mediensucht bei Jugendlichen?
Die Gründe für die Entwicklung einer Mediensucht sind vielfältig. Oft spielen ein geringes Selbstwertgefühl, soziale Isolation, Langeweile oder auch der Wunsch nach Anerkennung eine Rolle. Die virtuelle Welt bietet hier scheinbar einfache Lösungen: In Computerspielen können Jugendliche Erfolgserlebnisse feiern, in sozialen Netzwerken Bestätigung finden und in Online-Communities Anschluss finden. Doch diese vermeintlichen Vorteile haben ihren Preis.
Die ständige Verfügbarkeit von Medien, die schnelle Belohnung durch Likes und Kommentare und die Möglichkeit, in eine andere Realität einzutauchen, können süchtig machen. Vor allem Jugendliche, die im realen Leben Schwierigkeiten haben, sind gefährdet, in der virtuellen Welt eine Ersatzbefriedigung zu suchen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet auf ihrer Webseite weiterführende Informationen zum Thema Mediensucht und Prävention. (Lesen Sie auch: Sex im Flugzeug: Paar nach Pikantem Abenteuer…)
Wie können Eltern reagieren?
Für Eltern ist es oft schwer zu erkennen, wann die Mediennutzung ihres Kindes problematisch wird. Ein offenes Gespräch, klare Regeln und die Förderung von alternativen Freizeitaktivitäten können helfen, einer Mediensucht vorzubeugen.
Es ist wichtig, das Gespräch mit dem Jugendlichen zu suchen, ohne Vorwürfe zu erheben. Gemeinsam können dann Regeln für die Mediennutzung aufgestellt werden, die für beide Seiten akzeptabel sind. Auch die Förderung von Hobbys, sportlichen Aktivitäten oder sozialen Kontakten außerhalb der Online-Welt kann dazu beitragen, dass der Jugendliche ein erfülltes Leben führt und nicht in die Mediensucht abrutscht.
Was tun, wenn die Sucht bereits besteht?
Wenn die Mediensucht bereits besteht, ist professionelle Hilfe notwendig. Das Klinikum Nürnberg bietet mit seiner Sprechstunde für junge Mediensüchtige eine wichtige Anlaufstelle. Auch andere Kliniken und Beratungsstellen bieten spezielle Programme für Jugendliche mit Suchtproblemen an. Eine frühzeitige Therapie kann helfen, die Sucht zu überwinden und den Jugendlichen wieder in ein normales Leben zurückzuführen.
Jonas hat es geschafft. Dank der Therapie am Klinikum Nürnberg hat er seine Mediensucht überwunden und wieder Freude am realen Leben gefunden. Seine Geschichte macht Mut und zeigt, dass es möglich ist, aus der digitalen Suchtspirale auszubrechen. Informationen und Hilfsangebote bietet beispielsweise auch die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS).
Welche Rolle spielen soziale Medien bei Mediensucht Jugendlicher?
Soziale Medien spielen eine ambivalente Rolle. Einerseits ermöglichen sie Jugendlichen, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, sich auszutauschen und sich über aktuelle Themen zu informieren. Andererseits bergen sie auch Gefahren, insbesondere im Hinblick auf Mediensucht. Die ständige Verfügbarkeit, die schnelle Belohnung durch Likes und Kommentare und der Vergleich mit anderen können dazu führen, dass Jugendliche immer mehr Zeit in den sozialen Medien verbringen und sich von der realen Welt entfremden. (Lesen Sie auch: Mord nach Hochzeit: Bräutigam Tötet besten Freund…)

Besonders problematisch sind soziale Medien für Jugendliche mit einem geringen Selbstwertgefühl. Sie suchen dort nach Bestätigung und Anerkennung, die sie im realen Leben nicht finden. Doch die virtuelle Anerkennung ist oft oberflächlich und vergänglich. Sie kann das Selbstwertgefühl sogar noch weiter senken, wenn die Jugendlichen feststellen, dass sie nicht mit den vermeintlich perfekten Leben anderer mithalten können.
Eltern sollten sich aktiv mit den Medienwelten ihrer Kinder auseinandersetzen und ein offenes Gespräch über die Chancen und Risiken sozialer Medien führen.
Was versteht man unter Mediensucht bei Jugendlichen?
Mediensucht bei Jugendlichen beschreibt einen Zustand, in dem die Nutzung digitaler Medien wie Computerspiele oder soziale Netzwerke das Leben des Jugendlichen stark beeinträchtigt. Betroffene verlieren die Kontrolle über ihre Mediennutzung und vernachlässigen andere wichtige Lebensbereiche wie Schule, Freunde und Familie. (Lesen Sie auch: Benigner Lagerungsschwindel: So Wurde Ich Ihn Wieder…)
Welche Anzeichen deuten auf eine Mediensucht hin?
Anzeichen für eine Mediensucht können sein: zunehmende Beschäftigung mit Medien, Kontrollverlust über die Nutzungsdauer, Vernachlässigung anderer Interessen, soziale Isolation, Schlafstörungen, Gereiztheit und Unruhe bei eingeschränkter Mediennutzung sowie körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Augenprobleme.
Wie können Eltern einer Mediensucht ihrer Kinder vorbeugen?
Eltern können einer Mediensucht vorbeugen, indem sie ein offenes Gespräch mit ihren Kindern führen, klare Regeln für die Mediennutzung aufstellen, alternative Freizeitaktivitäten fördern, Vorbild sind und die Medienkompetenz ihrer Kinder stärken. Es ist wichtig, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Mediennutzung und anderen Aktivitäten zu schaffen.
Wo finden Betroffene und ihre Familien Hilfe bei Mediensucht?
Betroffene und ihre Familien finden Hilfe bei Beratungsstellen, Suchtberatungsstellen, Jugendämtern, Erziehungsberatungsstellen, Kinder- und Jugendpsychiatern sowie in speziellen Kliniken und Therapiezentren, die auf Mediensucht spezialisiert sind, wie beispielsweise das Klinikum Nürnberg.
Welche Rolle spielt die Corona-Pandemie bei der Entstehung von Mediensucht?
Die Corona-Pandemie hat durch Lockdowns, soziale Isolation und den Wegfall von Freizeitaktivitäten die Mediennutzung vieler Jugendlicher verstärkt. Der erhöhte Medienkonsum kann in einigen Fällen zur Entwicklung einer Mediensucht beigetragen haben, insbesondere bei Jugendlichen, die bereits vorher anfällig waren.
Die Geschichte von Jonas und die Arbeit des Klinikums Nürnberg zeigen, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema Mediensucht jugendliche von entscheidender Bedeutung ist. Nur durch Aufklärung, Prävention und professionelle Hilfe können wir verhindern, dass die virtuelle Welt zur einzigen Realität für junge Menschen wird.





