Skip to main content

Grenzen Multitasking: Studie zeigt, Übung hilft kaum

Event Ergebnis Datum Ort Schlüsselmomente
Psychologische Studie Gehirn arbeitet Aufgaben nacheinander ab Variabel Halle, Hagen, Hamburg Optimierung der Reihenfolge, erhöhte Fehlerquote bei Veränderungen

Die Vorstellung, ein wahrer Multitasking-Meister zu sein, der mühelos mehrere Aufgaben gleichzeitig jongliert, ist weit verbreitet. Doch eine aktuelle Studie, veröffentlicht im „Quarterly Journal of Experimental Psychology“, zeigt: Auch intensives Training kann die grenzen des multitasking nicht aufheben. Das menschliche Gehirn bleibt ein serieller Arbeiter, der Aufgaben nacheinander abarbeitet, statt sie parallel zu verarbeiten. Grenzen Multitasking steht dabei im Mittelpunkt.

Symbolbild zum Thema Grenzen Multitasking
Symbolbild: Grenzen Multitasking (Bild: Picsum)

Auf einen Blick

  • Multitasking ist keine echte Parallelverarbeitung.
  • Das Gehirn optimiert die Reihenfolge von Aufgaben.
  • Selbst mit Training bleiben die Grenzen bestehen.
  • Kleine Veränderungen erhöhen die Fehlerquote.
  • Multitasking kann im Alltag gefährlich sein.

Die Grenzen des Multitasking: Ein Mythos zerplatzt?

Lange Zeit glaubte man, dass das Gehirn durch Übung Aufgaben parallel verarbeiten kann, ein Phänomen, das als „Virtually Perfect Time Sharing“ bekannt war. Doch die Ergebnisse der Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der Fernuniversität in Hagen und der Medical School Hamburg deuten auf etwas anderes hin. Laut einer Meldung von Stern ist die Fähigkeit unseres Gehirns, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen, also doch nicht unbegrenzt?

Die Forscher um den Psychologen Torsten Schubert von der Universität Halle konnten zeigen, dass das Gehirn zwar die Reihenfolge der einzelnen Verarbeitungsschritte optimiert, um gegenseitige Störungen zu minimieren, aber diese Optimierung stößt an ihre Grenzen. „Unser Gehirn ist sehr geschickt darin, Prozesse hintereinander zu reihen“, erklärt Schubert. Doch diese Reihenschaltung ist eben keine Parallelverarbeitung.

📌 Hintergrund

Die Studie basiert auf Experimenten, bei denen Probanden zwei Aufgaben gleichzeitig bearbeiten mussten: die Größe eines Kreises mit der Hand anzeigen und gleichzeitig die Tonhöhe eines abgespielten Tons bestimmen. Dabei wurden Reaktionszeiten und Fehlerquoten gemessen.

Wie lief das Experiment ab?

Die 25 Teilnehmer der Studie wurden über mehrere Tage hinweg getestet. Zunächst wurden sie mit den beiden Aufgaben konfrontiert: visuelle Wahrnehmung (Kreisgröße) und auditive Wahrnehmung (Tonhöhe). Gemessen wurden die Reaktionszeit und die Anzahl der Fehler, die die Probanden machten. Mit fortschreitendem Training wurden die Teilnehmer schneller und machten weniger Fehler. Doch war das wirklich ein Zeichen für parallele Verarbeitung? (Lesen Sie auch: Busbrand Schweiz: Täter Hatte Wohl Psychische Probleme)

Die Forscher variierten die Aufgabenstellung minimal. Und siehe da: Sobald die Aufgaben verändert wurden, stiegen die Fehlerquote und die Reaktionszeiten wieder an. Ein klares Indiz dafür, dass das Gehirn eben doch nicht in der Lage ist, Aufgaben wirklich parallel zu bearbeiten. Stattdessen optimiert es lediglich die Reihenfolge, in der die Aufgaben abgearbeitet werden.

Was bedeutet das Ergebnis?

Die Ergebnisse der Studie haben weitreichende Implikationen für unser Verständnis der menschlichen Kognition und für die Gestaltung von Arbeitsumgebungen. Sie zeigen, dass Multitasking, insbesondere in anspruchsvollen Situationen, zu Fehlern und Leistungseinbußen führen kann.

Der Psychologe Tilo Strobach von der Medical School Hamburg warnt: „Multitasking kann etwa beim Autofahren oder in Berufen mit vielen parallelen Aufgaben zum Risiko werden.“ Wer sich beispielsweise beim Autofahren von seinem Smartphone ablenken lässt, riskiert nicht nur einen Unfall, sondern gefährdet auch sein eigenes Leben und das Leben anderer. Die ADAC warnt seit Jahren vor den Gefahren der Ablenkung im Straßenverkehr.

Auch in vielen Berufen, in denen Multitasking gefordert wird, sollten die Ergebnisse der Studie berücksichtigt werden. Mitarbeiter sollten in der Lage sein, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, ohne ständig von anderen Aufgaben unterbrochen zu werden. Dies kann zu einer höheren Produktivität und einer geringeren Fehlerquote führen.

Die Studie zeigt, dass das menschliche Gehirn eben doch nicht so multitaskingfähig ist, wie viele Menschen glauben. Selbst mit viel Training stoßen wir an unsere Grenzen. Es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein und die Arbeitsumgebung entsprechend zu gestalten. Konzentration und Fokussierung sind der Schlüssel zu erfolgreichem Arbeiten und sicherem Handeln. (Lesen Sie auch: Strabag Kartellstrafe: muss Rekord- von 146 Millionen…)

💡 Tipp

Versuchen Sie, Aufgaben zu priorisieren und sich auf eine Sache zu konzentrieren. Schalten Sie Benachrichtigungen aus und schaffen Sie eine ruhige Arbeitsumgebung. Planen Sie Pausen ein, um Ihr Gehirn zu entlasten.

Welche Rolle spielt die Optimierung der Reihenfolge?

Die Studie hat gezeigt, dass das Gehirn die Reihenfolge der Aufgaben optimiert, um Interferenzen zu minimieren. Das bedeutet, dass das Gehirn versucht, die Aufgaben so anzuordnen, dass sie sich möglichst wenig gegenseitig behindern. Dies geschieht unbewusst und automatisch.

Diese Optimierung ist jedoch nicht unbegrenzt. Wenn die Aufgaben zu komplex oder zu ähnlich sind, kann das Gehirn sie nicht mehr optimal anordnen. Dies führt zu einer höheren Fehlerquote und einer längeren Reaktionszeit. Es ist also wichtig, die Aufgaben so zu gestalten, dass sie sich möglichst wenig ähneln und nicht zu komplex sind.

Wie können wir die Erkenntnisse im Alltag nutzen?

Die Erkenntnisse der Studie können uns helfen, unseren Alltag bewusster zu gestalten und unsere Leistungsfähigkeit zu steigern. Indem wir uns auf eine Aufgabe konzentrieren und Ablenkungen vermeiden, können wir Fehler reduzieren und unsere Produktivität erhöhen.

Auch bei der Gestaltung von Arbeitsumgebungen sollten die Ergebnisse der Studie berücksichtigt werden. Unternehmen sollten darauf achten, dass ihre Mitarbeiter in der Lage sind, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, ohne ständig von anderen Aufgaben unterbrochen zu werden. Dies kann zu einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit und einer geringeren Fluktuation führen. (Lesen Sie auch: Ber Flughafen Unterbrechung: Was War die Ursache…)

Detailansicht: Grenzen Multitasking
Symbolbild: Grenzen Multitasking (Bild: Picsum)

Ein Beispiel: Statt E-Mails den ganzen Tag über zu checken, legen Sie feste Zeiten dafür fest. Oder blockieren Sie Zeitfenster in Ihrem Kalender, in denen Sie ungestört an wichtigen Projekten arbeiten können. Haufe.de bietet weitere Tipps zur Vermeidung von Multitasking im Arbeitsalltag.

R

Über den Autor
✓ Verifiziert

Redaktion

Online-Redakteur

Unser erfahrenes Redaktionsteam recherchiert und verfasst täglich aktuelle Nachrichten und Hintergrundberichte zu relevanten Themen.

📰 Redaktion
✓ Geprüfter Inhalt

Häufig gestellte Fragen

Was genau versteht man unter Multitasking?

Multitasking beschreibt den Versuch, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu bearbeiten. Im Alltag äußert sich dies beispielsweise darin, während eines Telefonats E-Mails zu beantworten oder beim Autofahren Nachrichten zu schreiben. Die Forschung zeigt jedoch, dass unser Gehirn Aufgaben eher nacheinander als parallel verarbeitet.

Warum ist Multitasking oft ineffizient?

Da unser Gehirn Aufgaben sequenziell abarbeitet, führt Multitasking zu häufigem Wechseln zwischen Aufgaben. Jeder Wechsel erfordert eine kurze „Umschaltzeit“, in der die Konzentration neu ausgerichtet werden muss. Diese Umschaltzeiten summieren sich und reduzieren die Gesamtproduktivität. (Lesen Sie auch: Ber Drohne: Flugbetrieb am Kurzzeitig Unterbrochen)

Kann man Multitasking durch Training verbessern?

Die aktuelle Studie deutet darauf hin, dass die Möglichkeiten zur Verbesserung der Multitasking-Fähigkeiten begrenzt sind. Zwar kann das Gehirn die Reihenfolge der Aufgaben optimieren, aber eine echte Parallelverarbeitung findet nicht statt. Training kann die Umschaltzeiten verkürzen, die grundlegenden Grenzen des multitasking aber nicht aufheben.

Welche Gefahren birgt Multitasking im Alltag?

Multitasking kann in Situationen, die hohe Aufmerksamkeit erfordern, gefährlich sein. Beispiele hierfür sind Autofahren, Bedienen von Maschinen oder Ausführen komplexer Arbeitsaufgaben. Die erhöhte Fehlerwahrscheinlichkeit kann zu Unfällen und anderen negativen Konsequenzen führen.

Wie kann man Multitasking im Arbeitsalltag reduzieren?

Um Multitasking zu reduzieren, ist es hilfreich, Aufgaben zu priorisieren und sich jeweils auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Ablenkungen wie E-Mail-Benachrichtigungen sollten deaktiviert werden. Zudem können feste Zeiten für bestimmte Aufgaben, wie das Bearbeiten von E-Mails, helfen, den Fokus zu bewahren.

Die Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und ihrer Partner hat wichtige Erkenntnisse über die Funktionsweise unseres Gehirns beim Bearbeiten mehrerer Aufgaben geliefert. Auch wenn wir uns oft als Multitasking-Talente sehen, zeigen die Ergebnisse, dass die grenzen des multitasking real sind und wir uns besser darauf konzentrieren sollten, eine Aufgabe nach der anderen zu erledigen, um effizienter und sicherer zu sein.

Illustration zu Grenzen Multitasking
Symbolbild: Grenzen Multitasking (Bild: Picsum)

Ähnliche Beiträge